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Töchter der Asche

 Ich rauche eine nach der anderen und denke, so muss sich Hitler gefühlt haben, im Bunker kurz vor Feierabend. Vielleicht hat er noch Unfug mit Blondi getrieben. Stell dich tot, Blondi. Hitler hatte einen schwarzen Humor. Die anderen im Bunker lachen und klopfen sich die Schenkel, nur Goebbels nicht, der alte Spießer.

Ich will Blondi durchs Fell gehen um mich zu beruhigen. Mir fällt ein dass ich Hunde  hasse. Gottverdammt. Bus um Bus. Eine durchnummerierte Prozession ins einfach nur Nichts.

Aida hat den Tod sicher schon mal dann und wann gesehen. Jetzt sieht sie mich. Sie sagt ich gehe gut als Double durch.

U fünf und dann umsteigen. Wir reden nichts. Es gibt nichts zu reden zwischen Menschen die dem Tod ständig die Hand schütteln. Es gibt nichts zu sagen wenn einem gerade das Leben gerettet wurde. Nichts was nicht peinlich klingen würde.

Schorsch hat Zeug da. 2001 Odyssee im Weltraum-Zeug. Das Bild das in meinem Hirnplasma festgefroren war löst sich auf wie ein Wollknäuel, das von einer Babykatze zerfetzt wird. Wahnsinn was ein bisschen Chemie mit einem tun kann. Mein Hirn entknotet sich.

 Nicht dass es verschwindet für immer. Aber für diesen Moment. Und das ist das verfickt beste Gefühl seit nem ganzen verfluchten Jahr.

 Ab und zu wird mir klar, dass ich keine Lust mehr habe, die Neurosen in meinem Kopf nach Farben zu ordnen.

Es regnet Giftschlieren. Gott fickt auf dich runter.

 

Aida sagt ich muss DAS machen. Kann schon sein. Blue Velvet zwischen meinen Reißzähnen.

Weiß Gott ich würde dir so gerne helfen. Mir fällt ein dass das ein merkwürdiges Gefühl ist. So fremd dass ich es nachschlagen muss.

Ich mag dich lächeln sehen du blöde musikfaschistische Bitch.

 

Dann ruf ich dich an, ein Tag im Winter mitten in der Nacht. Ich hab das Leben geteert und gefedert und es liegt regungslos auf meinem Bett. Ich drück ihr eine Brechstange in die Hand zu sage ihr, nur zu, fick das Leben wie es dich gefickt hat. Und sie hat diesen Blick.

25.6.09 22:16


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Bedrohte Arten

Wie lang ist es jetzt her dass ich sie gesehen hab? Unglaublich lange in meinem Gefühl. Fossile. Ausgrabungsstätten. Ein Händeschütteln. Ein Knacken der Äste im Wind der Umarmungen. Später wird sie mich umarmen. Etwas von mir Forciertes, das Unnatürlichste der Welt. Eine Schlittschuhkälte die wehtut. Leider habe ich das selbst erwirtschaftet. Ein Landwirt der Depression erntet.

Draußen seh ich das Auto mit dem albernen Kennzeichen. Spitzen und Scherben an Erinnerung, die Füße bluten schon. Schnell weiter.

Hier und da hat sie neue Piercings. Ich kann's nicht genau sagen. Ich glaube ich hab sie mehr als Entität wahrgenommen denn als lebendes atmendes gepierctes Wesen. Geisterhaft wippt sie im Schaukelstuhl. Prophetin des Terrors und mit Unheil schwanger im 9. Monat, das Fruchtwasser tropft ihr aus den Augen. Beyond tears. Ich hasse es wie sie mich ansieht. Sieht sie mich überhaupt an? Strippt mich runter aufs bis Skelett und weiß alles, einfach alles. Ich steh in Flammen und sie ist die einzige die die Hitze spürt. Sag ein paar dämliche Worte die nichts zu bedeuten haben. Erinner mich an einen Raum mit einem Billardtisch u. grünen Getränken. Und von da an ist sie immer da. Sieht sie mich überhaupt an? Ja... ich kann die Blicke spüren wenn ich wegsehe. Limitiert und fragmentarisch und mit einer Herznote - was ist es? - Hass oder Wehmut oder Tragik, kann den Finger nicht genau drauflegen. Ich saufe bis mein Hirn voller Scheiße ist und keine Kerzengedanken in den Schichten dazwischen aufflackern. Ein Meer aus Scheiße. Ich will permanent betrunken sein...

Und während Myriaden Sternschnuppen und Fusselrollen und patentierte Herzen eine dunkle Allianz in meinem Eingeweidekerker beschließen, stockt mir der Atem und fällt mir die Haut in Schichtdienst ab und werden meine Gedanken zu Papier, so leicht entflammbar an der Flamme des nicht Aussprechlichen.

 Und das letze was ich fühle ist eine Kälte wie man sie nie zuvor gesehen hat. Und Wehmut in rot blinkenden Buchstaben. Und ein Hurenhaus in dem ich mich in die Bewusslosigkeit ficke. Die große Schere aus Selbsthass die die Zielgrade Koma durchschneidet. Und das Gestern durchstreift die Wüste meiner Gefühle wie etwas, das vom Aussterben bedroht ist.

24.6.09 00:52


Bevor die Bomben fielen

Diese Nacht träume ich zwei Träume.

Der erste handelt davon wie Zombiehunde mein Elternhaus angreifen und davon, wie ich in das brennende Waltstück flüchte, in dem wir als Kinder spielten. Ich bin so langsam wie eine Schildkröte in Bullettime, die Köter setzen zum Sprung an. Ich wache auf.

Im zweiten Traum weiß ich nicht wo ich bin. Die ganze Umgebung wird in Intervallen von Licht geflutet, rostrotes und koboldgrünes und adernblaues windschiefes Strahlengeflecht. Der erste Golfkrieg, unterlegt mit Kraftwerk. Extremitäten in denen Blut zirkuliert wie in einem Hiroshima-Gewässer ziehen sich an und stoßen sich wieder ab, komprimiert auf einen Vierteltakt. Als würde man sie magnetisieren und wieder entmagnetisieren. Ich fühle mich wie Alice in einer Venusfliegenhalle, während ich einen Kaninchenbau aus Scheiße hinabpurzle. Null Ahnung wo meine Jacke ist, ich kämpf mich durch das Mikado-Bündel Mensch und teile das Meer der Menge so subtil, wie ein Skalpell die menschl. Anatomie. Mein Blick ein Irrlicht das die mit Kreide grob angedeuteten Gesichtsfetzen abklappert, auf der Suche nach Halt. Danach bettelnd. Dann seh ich meine beste Freundin Aida. Sie sieht verändert aus. So als hätte sie jemand in einen Mixer geworfen und den Knopf Zurück in die Zukunft gedrückt. Gleichzeitig sieht sie mitgenommen aus. Tristesse hängt in ihren Gesichtszügen wie drei Wochen alte Kaffeereste im Filterpapier. Aber womöglich ist das nur die Spiegelung meines Gesichts in einem klaren Gewässer. Mein Gepäck werfe ich in den Waggon, denn dieser Gesichtszug hält nicht, ich muss ihn piratenhaft kapern. Sie lächelt für mich. Ein Lächeln von dem Bewusstein dass es nichts in der Welt gibt mit der man die Sehnsucht des Ggü. abtöten könnte. Kein Eispickel der die erkaltete Brust des anderen Menschen eröffnen und kein Vulkanwellnessbad in der sie das hungrige rausgerissene Herz wieder aufpeppeln könnten. Zu leben bedeutet den Pinsel in die Hand nehmen und ein Bild malen. Zu lieben bedeutet diesem Bild eine nicht aussprechbare Note zu geben, etwas das den Brustkorb bersten lässt. Wir sehn uns an und unsere Blicke treffen sich. Sitzen auf einer Wiese, die Blicke, und pflücken friedlich den giftigen Atompilz. Beißen hinein. Da ist nichts außer Tod. Tod der das Bild schwarz übermalt, das man im Leben und Lieben zu zeichnen versucht.

Dann sag ich ihr dass ich aufbrechen muss. Ohne dass ich wüsste wie ich's meine, in der Art von Kafkafiguren. Ich denk an Wellen und Wolkenbruch und dass sich meine Seele anfühlt wie eine Wüste voller Leichenberge, auf deren Rücken Wüstenfüchse das letzte Einhorn schlachten. Ein fremdes Mädchen das meine Begleiterin zu sein scheint, betritt die Szenerie und nimmt meine Hand. Wir gleiten in den Abend wie Vieh auf einem Fließband Richtung Schlachthof. Plötzlich begreife ich es. Mit vehementer Intensität versuch ich den Moment festzuhalten. So sah die Welt aus. Vor dem Sündenfall. Bevor unsere Augenhöhlen einstürzten. So sah Aida aus, bevor Gott auf sie herabpisste. Meine Hand fühlt sich an als hielte sie einen Fleischerhaken, als das fremde Mädchen sie fester drückt. Ich dreh mich um zu Aida. Aber es ist zu spät. Ihre Augen füllen sich mit Metallspänen. Im bisher verheerendsten Sturm ihres Lebens fällt ihr Zirkuszelt Körper in sich zusammen und wird von jenem Tage an immer weniger. Ein Schmerz wie ich ihn nie zuvor gespürt habe. Dann wache ich auf.

20.6.09 12:37


A quiet man

Immer wenn ich über den Odeonsplatz gehe, muss ich an den Hitlerputsch denken. Ein Banner aus dunklen Wolken verschleiert die Feldherrenhalle.

Ich denk auch an Kira und diesen Moment und das ist irgendwie traurig. Ich glaube dieses Mädchen hat wirklich Angst vor mir. Sad sad clouds.

Ich geh in den englischen Buchladen und kauf mir ein Buch über den D-Day. Ich lese zu wenig. Eisenhower. Und mir fällt auf, dass es Menschen gibt und gab, mit echten Problemen.

Dann denke ich dass ich die Art mag wie L. mir durch die Haare geht. Die Art wie wir tanzen. Ich mag sie sehr... das Gute daran ist, es tut nicht mal weh. Zu viele Dingen tun weh in letzter Zeit.

In meinem Geist flackern Bilder auf, sie zeigen das gepflegte Heiligtum von Zimmer der Mutter Ed Geins. Er hat alle Zimmer verrotten lassen, bis auf das der Mutter. Gein hat sich Westen aus Frauenhaut gemacht und ging damit nachts spazieren. Meine Haut wie mit Narben durchsetztes Porzellan.

Menschen mit Gitarrenkoffern gehen an mir vorbei. Nachmittag, ich bin schon betrunken.

Ich will Musik machen und schreiben und lesen. Gott, am meisten will ich fühlen. Ab und zu setzt mein Herz aus. Meist dann wenn ich Rothaarige seh von denen ich eine Sekunde lang denke, das ist K.; nächstes Semester mache ich eine Therapie. Vielleicht.

Ich glaube das wäre richtig.

Ed Gein und sein Kumpel sprechen über eine vermisste Frau. Ed Gein sagt Sie wird nicht vermisst, sie ist jetzt in diesem Moment in meinem Keller. Der Freund von Ed Gein lacht. Was er nicht weiß ist, Ed Gein scherzt nicht.

Er war ein recht stiller Mann.

19.6.09 18:04


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